View Full Version : [de] Kaffeekränzchen
Moryarity
12-01-2005, 17:09
Mich betrifft es auch nicht so... Aber das Problem ist ja wohl (nach meinem bisherigen Wissensstand), daß ein Mann, der Zweifel an seiner Vaterschaft hat, diesen Test nicht erzwingen kann - und trotzdem zur Unterhaltszahlung verpflichtet ist. Es ergibt sich damit die absurde Situation, daß jemand jahrelang Unterhalt zahlen muß, obwohl er gar nicht der Vater ist. Das ist in meinen Augen auch ungerecht.
Insofern bin ich durchaus für den "heimlichen" Vaterschaftstest. Von Selbstbestimmung des Kindes zu reden ist sowieso scheinheilig - ein Kind wird doch immer bevormundet.
Nun ja...der Vater muss halt begründete Zweifel aufweisen, dass er nicht der Vater ist....wenn er das kann, gibt es einen Test.
RoadRunner
12-01-2005, 17:12
... weil sie vielleicht annehmen, daß sie nicht der Vater sind. Die Mutter weiß ganz genau, daß sie die Mutter ist - ein Vater kann es immer nur annehmen. ;)
Wenn jemand zum Unterhalt verpflichtet ist, weil er der Vater sein soll, sollte er m.E. auch das Gegenteil beweisen können. Es geht immerhin um eine ziemlich hohe Summe pro Monat.
Edit: Ich bin mir nicht sicher, aber so ohne weiteres kann ein Vaterschaftstest wohl nicht erzwungen werden. Sonst wäre das Ganze ja kein Thema...
Meistens geht es dabei ja auch um nicht volljährige Kinder. In dem Fall entscheidet ja dann der Erziehungsberechtigte, also die Mutter, ob der Test stattfindet. Kann das Kind dann selbst bestimmen???
Und wenn man sich als Mutter sicher ist, wer der Vater ist, kann ma dem Test ja auch zustimmen. Wer sich weigert, hat in meinen Augen was zu verbergen, also halte ich heimliche Tests in solchen Fällen für angebracht.
RoadRunner
12-01-2005, 20:55
Na ja, verstehen kann ich die Mutter im Falle der Verweigerung schon - es geht immerhin um eine Menge Geld, das verloren ist, wenn sich herausstellt, daß der derzeitige Unterhaltszahler nicht der Vater ist. Ehe der "richtige" Vater gefunden und zahlungsverpflichtet ist, vergeht einige Zeit - sofern sich dieser überhaupt finden läßt. ;)
Im übrigen hat der Staat auch ein berechtigtes Interesse daran.
Fällt der derzeitige Unterhaltszahler aus, muß er solange in Vorlage treten, bis der biologische Vater gefunden ist.
Das ist vermutlich auch der wahre Grund, warum Frau Ministerin ihr Vorhaben so vehement vertritt.
Moryarity
13-01-2005, 10:10
Würdest Du dich nicht in Deiner Ehre gekränkt fühlen, wenn Dein Mann plötzlich einen Vaterschaftstest für Deine Kinder wollte? Ich kann mir schon vorstellen, dass das der erste Gedanken bei vielen Frauen ist und sie es deshalb nicht tun wollen...
RoadRunner
13-01-2005, 11:05
Wenn verheiratete Männer einen Vaterschaftstest machen lassen wollen, dürfte in der Ehe sowieso einiges im argen liegen. Ehemänner sind ja per Gesetz Vater eines Kindes, das in der Ehe geboren wird. Falls ein Ehemann also seine Vaterschaft anfechten will, sollte er sich über die Konsequenzen seines Vorhabens schon im klaren sein: Ist er nicht der Vater, zerbricht möglicherweise seine Ehe; ist er der Vater, hat er unberechtigt schwere Verdächtigungen geäußert. Ein "heimlicher" Vaterschaftstest kann für den einen oder anderen damit zu einer diskreten (weil von der Mutter unbemerkten) Lösung werden - das moralische Problem, das ich damit hätte, klammere ich da mal aus. Warum allerdings der Gesetzgeber in diesem Dilemma mitmischen will, verstehe ich nicht so ganz.
Ich weiß auch nicht, ob der verheiratete Vater - der ja auch das Sorgerecht für die Kinder hat - nicht sowieso berechtigt wäre, für das Kind mit zu entscheiden und die entsprechende Haarprobe o.ä. zu nehmen.
Anders sieht es schon bei Vätern aus, die nicht (oder nicht mehr) mit der Mutter des Kindes verheiratet sind. Die haben in der Regel ziemlich harte Pflichten (Unterhalt) und so gut wie keine Rechte (Umgang, Mitsprache bei der Erziehung). Hier sehe ich auch den heimlichen Vaterschaftstest in einem ganz anderen Licht.
Die Einmischung des Staates nimmt manchmal schon sonderbare Züge an.
Die vorige Ehefrau meines Mannes ist nach der Scheidung schwanger geworden von ihrem damaligen Freund. Allen Beteiligten war klar, wer der Vater ist.
Problem nur, das 1980 noch galt, das Scheidungsurteil wird erst nach Wochen rechtsgültig, und nach Rechtsgültigkeit gibt es noch eine sogenannte Karenzzeit von 300 Tagen. Wenn innerhalb dieser Karenzzeit ein Kind geboren wird, gilt es automatisch als ehelich, dabei dauert eine normale Schwangerschaft nur 280 Tage!!
Mein Mann wurde damals also, ohne davon zu wissen, Vater einer ehelichen (!) Tochter.
Die Probleme begannen, als die Mutter sich vom Vater des Kindes trennte, und staatliche Unterstützung beantragte. Mein Mann wurde aufgefordert Unterhalt zu zahlen für ein Kind, von dessen Existenz er bis dahin gar nichts wusste.
Einen Vaterschaftstest konnte er nicht einfordern, da die Mutter im Namen des Kindes Nichtehelichkeitsklage hätte erheben müssen, was sie aber nicht wollte, da sie nicht einmal gsetzlich dazu gezwungen werden konnte.
Mein Mann hat letztendlich durchgesetzt, keinen Unterhalt zahlen zu müssen, aber mit einem Vaterschaftstest wäre es leichter gewesen.
Moryarity
13-01-2005, 13:25
Nun ja..warum der Gesetzgeber sich da einmischen will, weiß ich auch nicht...aber vielleicht sollte es einfach eine allgemeine Regelung geben, in welchen Fällen und mit welcher Begründung ein solcher Test durchgeführt werden soll/muss....
Meiner Meinung nach geht es nicht, dass Unterhalt erschlichen wird, indem ein "falscher" Vater zur Kasse gebeten wird..andererseits ist es auch etwas komisch, wenn es schon soweit ist, dass jede Vaterschaft überprüft wird...
Insofern bin ich durchaus für den "heimlichen" Vaterschaftstest. Von Selbstbestimmung des Kindes zu reden ist sowieso scheinheilig - ein Kind wird doch immer bevormundet.
Und das sagst du als Vater von ... wie vielen Kindern? :wink:
RoadRunner
13-01-2005, 21:42
Von zweien. :)
Aber es ist doch so - oder wirst bzw. wurdest Du von Deinen Eltern nicht bevormundet? ;) (Eine andere Frage ist natürlich, wie geschickt diese Bevormundung geschah - und zu wessen Vorteil. :D )
Meine obigen Ausführungen bezogen sich natürlich ausschließlich auf nichteheliche Kinder.
Die in einem eheähnlichen Verhältnis lebenden Väter haben immer noch nicht alle Rechte, wie sie die verheirateten Väter haben. Ok stimmt nicht ganz, sie haben das Recht in jedem Falle zu zahlen. Das ist aber schon fast die einzige Gemeinsamkeit.
In diesen Fällen hätte ich keine moralische Bedenken, das so ein Test durchgeführt wird. Auch ohne das Wissen und ggf. gegen den Willen der Mutter.
Ich denke auch, das es erst zu solchen Tests kommt, wenn das Kind schon praktisch in den Brunnen gefallen ist, und die Beziehung aus welchen Gründen auch immer starken Schaden genommen hat.
Warum mischt sich die Politik dort ein?
Haben sie nicht genug andere Problem, die sie lösen müssen?
Absolut unverständlich ist für mich, das die Männer (in nichtehelicher Gemeinschaft), die diese heimlichen Test machen lassen, jetzt auch noch kriminalisiert werden, und als Grundlage dazu dienen schofeliger Weise auch noch die Belange des Kindes, die da vorgeschoben werden. :nono:
RoadRunner
14-01-2005, 13:54
Heute erst habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, daß es ja auch den Straftatbestand des Unterschiebens eines Kindes gibt - und der Täter (=die Mutter) wird vom Gesetzgeber jetzt ausdrücklich geschützt, während das Opfer (= der Mann) praktisch keine Möglichkeit hat, sich zu wehren.
Robitoby
14-01-2005, 14:05
Ich könnte einige Politiker der 60er Jahre nennen, die sich bei dieser Rechtsprechung und Gesetzgebung im Grabe rumdrehn würden. Damals war zwar auch net alles in Ordnung, aber ich habe so den Eindruck, daß sie damals wesentlich mehr tatsächlich um das Wohl ihres eigenen Volkes bemüht waren, als das heute der Fall ist.
Von zweien. :)
Aber es ist doch so - oder wirst bzw. wurdest Du von Deinen Eltern nicht bevormundet? ;) (Eine andere Frage ist natürlich, wie geschickt diese Bevormundung geschah - und zu wessen Vorteil. :D )
Naja, ich finde, ich hab's mit meinen Eltern ganz gut getroffen, sie sind doch recht vernünftig. Aber vieles geschieht doch aus aus dem Antrieb heraus, sein Kind zu schützen, oder? Wenn sie zB sagen, man soll keine heißen Backbleche anfassen, oder so. *überleg* Okay, das haben meine Eltern mir auch immer gesagt - und ich konnte es mir nicht vorstellen, dass das echt so heiß war. Bis ich einmal absichtlich eins angefasst hab - AUA.
Na ja, vielleicht wurde ich schon bevormundet, aber eigentlich sollte das auch mehr ein Scherz sein :smile:
So ist das nun mal, Eltern können einem hundertmal vorbeten, dieses oder jenes ist nicht gut für dich, erst wenn man sich "die Finger verbrannt" hat, merkt man, dass sie doch recht hatten... :wink:
Das hab ich dann auch gemerkt :biggrin:
RoadRunner
14-01-2005, 20:46
Meine Schwester meinte immer, daß sie ihre Erfahrungen selber machen möchte. Als ich dann etwas älter war, hab' ich mir dann überlegt, daß es ja ziemlich blöd ist, immer alles am eigenen Leibe erfahren zu müssen. Viel praktischer ist es doch eigentlich, andere die schlechten Erfahrungen machen zu lassen... ;) :D
(Man kann sich selber ja auf die guten Erfahrungen spezialisieren. Ist aber auch nicht ganz einfach... :D )
HappyAdolf
14-01-2005, 21:07
Hmm, ich würd gern am eigenen Leibe erfahren wie es ist, berühmt oder mächtig zu sein :biggrin:
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